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Vox Populi - wer nicht hören will, muss lesen!

 

Was heißt Integration?

Affären um Visa und Migration

Di§kriminierung betrifft uns alle

K wie Kontrolle

Leben in der Schein-Demokratie

Die veröffentlichte Meinung

Du bist... verarscht!

Für die unbeobachteten Momente des Lebens


Was heißt Integration?

01. Dezember 2004 von Christian Heinrici

In den letzten Wochen konnte man überall Stimmen vernehmen, die in folgendes Horn stießen "Die müssen sich endlich mal richtig anpassen…!" - "Die sollen doch erst mal Deutsch lernen…" und viele andere Sätze, die ich hier gar nicht wiedergeben möchte. Gemeint waren Migranten und Muslime, die hier schon oftmals seit Jahrzehnten leben. Abgesehen davon, dass es vielen dieser Leute, die solche wahrhaft hohlen Phrasen an der Theke oder am Büdchen mal so eben… von sich lassen, dass es diesen Leuten auch nicht schlecht zu Gesicht stünde, selbst mal "richtig Deutsch" zu lernen, fällt es natürlich auf: Die rechte Stimmung steigt in der Bevölkerung - die rechte, nicht die richtige.

 

 

Das ist auch natürlich nicht weiter verwunderlich - wird eine solche Stimmung doch geschürt, von rechten Scharfmachern, von denen einige neuerdings auch im Kölner Rat rumsitzen, von denen man natürlich nichts anderes und nichts intelligenteres erwartet hat, aber auch von jenen, von denen man sehr wohl etwas anderes erwarten darf, von vielen gewählten Vertretern, den Kanzlern und Innenministern, von den Schröders, den Schilys und den Becksteins aller Parteien der sogenannten politischen Mitte. In diesen Tagen sieht es so aus, als ob der Islam und seine Gläubigen unter Generalverdacht stünden. Ist Bushs "Kampf gegen den Terror" über Umwege aus den Niederlanden schließlich bei uns angekommen?! Wollen wir es nicht hoffen!

Natürlich sind hier in den letzten Jahrzehnten Diskussionen versäumt worden, es war bequemer, die Menschen anderer Kulturen in Ghettos abzuschieben, es war bequemer sich keine Gedanken über diese Menschen und ihre kulturellen Hintergründe zu machen, (es war bequemer, einmal pro Jahr für die Armen dieser Welt zu spenden, aber wenn die gleichen Armen vor der eigenen Haustüre stehen, diese ihnen lieber vor der Nase zuzuschlagen) und es war vor allen Dingen bequemer, sich nicht mit den Menschen auseinander zu setzen… Und auf einmal "wachen wir auf" und fangen eine unselige Diskussion an, über Kopftücher in deutschen Schulen bis hin zu Videoüberwachung von Moscheen.

Diese Diskussion ist nicht nur unfruchtbar, sie führt eben nicht zum Dialog, denn sie verhärtet nur die schon bestehenden Fronten, diese Diskussion spielt vor allen Dingen jedweden Rechtsradikalen in die Hände. Wenn man vorgibt, die angeblich abendländischen Werte wie Demokratie, Freiheit und Menschenrechte fördern zu wollen, landet man eben mit solch einer Diskussion genau beim Gegenteil.

Nein, Integration heißt etwas ganz anderes. Integration ist kein einseitiger Akt. Integration bedeutet nicht Anpassung an irgendeine Leitkultur - was immer die so genau auch sein mag. Integration bedeutet mit einander zu leben, von einander zu lernen und sich gemeinsam eine andere und zwar eine bessere Zukunft aufzubauen, was nur SO geht: eben gemeinsam! Jeder kann etwas dazu beitragen, jeder, besonders, wenn diese Ansätze aus verschiedenen Kulturen kommen – denn etwas zu lernen, was man ohnehin schon weiß, macht keinen Sinn.

Oder, um es mit den Worten eines wirklich großen Deutschen zu sagen, Johann Wolfgang von Goethe: "Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein: sie muss zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen."

Also, liebe Deutschen, wenn wir schon dabei sind: Lernt doch endlich mal richtig Deutsch!

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Affären um Visa und Migration

02. März 2005 von Christian Heinrici

Die Visa-Affäre um Joschka Fischer... Man mag darüber denken, was man möchte, Fakt auf jeden Fall ist, dass es vollkommener Unsinn ist, dass die Kriminalität von Ukrainern in Deutschland im Zuge des sogenannten "Volmer Erlasses" irgendwie signifikant gestiegen wäre. So belegte der Kriminologe Christian Pfeiffer kürzlich, dass der Anteil der Straftaten begangen von Ukrainern in Deutschland weit unter 1 % liegt. Nun kann man aber im Gegensatz dazu den Eindruck haben, wenn man den Stimmen der rechts-konservativen Opposition in Deutschland glauben schenken will, dass wir gerade von kriminellen Banden aus Osteuropa heimgesucht werden. Entweder also haben diese Stimmen überhaupt keine Ahnung, wovon sie reden, oder sie versuchen das Thema wahlkampftaktisch auszuschlachten. Letztes liegt natürlich nahe.

 

Kind mit Einbürgerunsurkunde

Es sieht so aus, als ob die CDU/CSU/FDP kräftig an der Position des Bundesaußenministers sägen will, und damit längst den Wahlkampf in NRW und den Bundestagswahlkampf für nächstes Jahr eingeleitet hat. Natürlich versucht sie auch dabei mal wieder am rechten Rand zu fischen. Nein, Ergebnisse der NPD wie bei der Landtagswahl in Sachsen will man nicht mehr sehen, da macht man sich doch lieber gleich deren Programmpunkte selbst zu Eigen. Was auch klar ist, dass eine derartige Stimmungsmache nicht ohne Wirkung in der Bevölkerung bleibt. Der rot-grünen Regierung soll das Prädikat "ausländerfreundlich aber kriminalitätsfördernd" angeheftet werden. Dabei schürt man tatsächlich ausländerfeindliche Stimmung, indem suggeriert wird, wir würden von Verbrecherhorden aus dem Osten überfallen - sogar die CDU entdeckt beim Thema Zwangsprostitution endlich ihre frauenfreundliche Seite.

Natürlich fällt diese Stimmungsmache auf fruchtbaren Boden: Und zwar bei all jenen, die sich durch die Sparpolitik der Bundesregierung berechtigt bedroht fühlen, aber unberechtigt den Schuldigen bei den Einwanderern suchen. Tatsache ist aber auch, dass die Einwanderungspolitik der Bundesregierung nach wie vor restriktiv und rückschrittlich ist und sich im unteren Drittel des EU-Durchschnittes befindet, obwohl Deutschland mittlerweile das zweitreichste Land der Welt ist. Schaut man beispielsweise auf die Asylanträge, die letztes Jahr in Deutschland gestellt werden konnten, sehen wir mit nur 36.000 - das sind gegenüber dem Vorjahr rund 30 % weniger - ein Rekordtief wie zu letzt in den 70er Jahren. (Wo sollen denn nur alle Kinder herkommen, um die negative demoskopische Kurve zu retten?!) Und von all jenen, die trotz abschreckender Maßnahmen der Bundesregierung dennoch gewagt haben, einen Antrag auf politisches Asyl zu stellen, wurden letztendlich nur 1,5 % anerkannt, wobei weitere 1,8 % nicht abgeschoben werden können, weil in ihren Heimatländern definitiv ihr Leben bedroht ist. Also, ganz sicher kann man die Anerkennung von 1,5 % der Asylbewerber beim besten Willen nicht als "ausländerfreundlich" bezeichnen.

Wollen wir also hoffen, dass nicht allzu viele Wähler und Nichtwähler auf die Mogelpackung der sog. Opposition hereinfallen, und sich von dieser rechten Stimmung anstecken lassen. Wir hoffen natürlich auch nicht, dass sie auf die Mogelpackung der Regierung hereinfallen, die uns ihren Ausverkauf des Sozialstaates als notwendige Reform verkaufen will. Hoffen wir im Gegenteil darauf, dass möglichst viele erkennen, dass sie den Versprechungen der Politiker nicht zu glauben brauchen, sondern dass sie selbst handeln können, um eine bessere und menschlichere Gesellschaft aufzubauen, und das natürlich in Solidarität mit allen Betroffenen, ganz gleich ob sie hier geboren oder später mal dazugezogen sind.


 

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Di§krimierung... betrifft uns alle!

 

 

06. April 2005 von Christian Heinrici

Sind Sie auch anders? Haben Sie Freunde, die anders sind? Oder freuen Sie sich einfach an der kulturellen, ethnischen, hautfarbigen, sexuellen, körperlichen, geistigen, religiösen Vielfalt, die das Leben bietet? In der Tat, in diesem Land sind mehr als 80 Millionen Menschen irgendwie anders, es kommt eben ganz auf den Gesichtspunkt an. Und viele Menschen sind schon in ihrem Alltagsleben diskriminiert worden, ganz subtil oder ganz offensichtlich, ganz offiziell und legal von Behörden oder Gesetzen - und haben es gar nicht gemerkt…

 

Selten ist Diskriminierung so offensichtlich, wie in einer Situation, die mir selbst vor einigen Wochen passierte: Ich wollte mit zwei Freunden, einem schwarzen Deutschen und einem Sudanesen in eine Disko gehen, und der türkische Türsteher erklärte uns, dass wir dort nicht hineinkämen, weil der italienische Boss der Kneipe aus Erfahrung weiß, dass "die Ausländer" (wer immer das auch so genau in dieser Situation sein sollte…) immer die Frauen anmachen würden. Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man diesem Fall tatsächlich eine komische Note abgewinnen.

Über ähnliche Vorfälle in besagter Kneipe berichtete seinerseits die Presse, aber wollen wir hier diesen speziellen Fall nicht besonders ausbreiten; denn leider ist er gar nicht so besonders. Viele Menschen fühlen sich in ihrem Alltag diskriminiert, viele Migranten empfinden den Umgang (und die Vorschriften) auf dem Ausländeramt als diskriminierend. Ausländeramt... was für ein unsinniger Name für eine unsinnige Einrichtung! Viele Menschen ohne deutschen Pass fühlen sich benachteiligt, wenn alle anderen Bürger wählen dürfen, sie aber nicht, obwohl sie doch die gleichen Pflichten haben. Viele Menschen mit Behinderung fühlen sich durch fehlende Einrichtungen oder Regeln im öffentlichen Verkehr vom aktiven Leben ausgeschlossen. Angehörige anderer Religionsgemeinschaften fühlen sich in Deutschland benachteiligt, weil christliche Kirchen bevorzugt werden. Bemerkenswerter Weise fühlen sich immer noch viele Frauen diskriminiert und benachteiligt - bemerkenswert, weil wir im Jahre 2005 leben und Frauen ganz sicher keine Minderheit darstellen. Außerdem gibt es eine wachsende Anzahl von Menschen, die sich im Wirtschaftsstandort Deutschland diskriminiert fühlen, durch den Mangel an sozialer oder wirtschaftlicher Sicherheit, weil sie nach Jobmisere UND Harz IV nicht mehr dazugehören, weil sie um ihre Arbeit und um ihre Zukunft fürchten.

Diese Aufzählung könnte man natürlich bis plus Unendlich fortführen. Innerhalb dieser Gesellschaft wird schnell jeder diskriminiert, der mit diesem Rhythmus in eine fragwürdige Richtung nicht mithalten kann oder will.

Wenn nun die Bundesregierung sich endlich darum bemüht, auch hier in Deutschland ein Anti-Diskriminierungsgesetz umzusetzen, dann ist dies ein Minimum dessen, was möglich ist - ganz zu schweigen von dem, was nötig wäre. Tatsächlich aber läuft die rechts-konservative Opposition gegen diese Gesetzesvorlage Sturm, wie so oft kräftig unterstützt von den Mächtigen aus der Wirtschaft - geht es doch nur darum, schon bestehendes EU-Recht auch endlich in Deutschland umzusetzen. In einer Kampagne im Fernsehen und in ihrer Presse machen sie den Bürgern Angst, sie würden auch noch ihren letzten Arbeitsplatz verlieren… Das ist natürlich vollkommener Unsinn - ihnen geht es nur darum, UNSERE Welt noch neo-liberaler zu gestalten, das heißt, sie wollen keine Einmischung in ihre Geschäfte auf unsere Kosten.

 

Um es ganz klar zu sagen: Das Anti-Diskriminierungsgesetz bedeutet MEHR RECHTE zu bekommen, oder anders gesagt, die Rechte, die wir per se als Mensch haben, und zwar alle, spätestens seit der internationalen Erklärung der Menschenrechte, auch einfordern zu können. Natürlich muss man bei der Umsetzung des Gesetzes weder Wunder noch auf der anderen Seite eine Tsunami-Prozess-Welle befürchten. Denn Recht zu haben, und Recht zu bekommen oder einklagen zu können, bleibt wohl nach wie vor ein Unterschied. Aber natürlich kennt auch solch ein Gesetz seine Grenzen, und man kann Anti-Diskriminierung nicht allein gesetzlich regeln.

Selbstverständlich hat solch ein Gesetz als aller erstes eine wichtige psychologische Funktion, und dabei geht es an allerletzter Stelle erst um eine gerechte Jobvermittlung, wie die Wirtschaftslobby gerne suggeriert, sondern vielmehr darum, dass in der Bevölkerung, bei uns allen, das Bewusstsein reift, dass Diskriminierung nicht geht, dass es Gewalt ist, wegen irgendwelcher Merkmale ausgegrenzt oder benachteiligt zu werden. Genauso müssen wir wissen, dass wir Rechte haben, und uns im Alltag auf eben diese Rechte berufen können! Darüber hinaus, wird es sehr wichtig sein, zu lernen, gemeinsam diese bisher einzige bewohnbare Welt zu gestalten, zu wissen, dass es wahren Fortschritt nur geben kann, wenn er von allen für alle ist. Dieser Fortschritt beschränkt sich nicht allein auf Gesetze, aber sie können einen Anfang dazu darstellen.

 

 

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K wie Kontrolle

 

11. Mai 2005 von Christian Heinrici

Deutschland wird China immer ähnlicher: Freiheit für die Wirtschaft, die Bürger aber werden zunehmend beobachtet, kontrolliert und gegängelt. Entgegen ihren öffentlichen Bekundungen hat die Politik die soziale Marktwirtschaft längst abgeschafft und fängt nun an, die Bevölkerung zu disziplinieren, seit Hartz IV herrscht eine moderne Form der Zwangsarbeit, und die Wirtschaft lacht sich dazu ins globalisierte Fäustchen.
 

 

Die sozialen Probleme in ganz Deutschland nehmen zu, doch die einzige Antwort der Politik darauf ist, den Knüppel aus dem Sack zu holen – so auch in Köln: Auf Geheiß des Bundesinnenministers gingen doch tatsächlich in den letzten Wochen mit Wärmebildkameras ausgestattete Hubschrauber auf die Suche nach illegalen Sprayern. Unabhängig davon, dass man sich unvermittelt in den Film "Staatsfeind Nummer 1" versetzt fühlt, ist eine derartige Aktion auch vollkommen deplaziert. Wenn solche Hubschrauber auf die Suche nach freien Kinderhortplätzen geschickt würden – das wäre doch mal was!

Dazu ist manchen Kölnern noch die gemeinsame Aktion von Bundesgrenzschutz, Polizei, KVB und Ordnungsamt in Erinnerung, die unter dem schönen Titel "Wintercheck" die mafiösen Machenschaften von Schwerkriminellen wie Gurtmuffeln, Obdachlosen, Kleindealern und Schwarzfahrern aufdeckten. Die Aktion war so erfolgreich, dass sie das Bündnis für Sauberkeit und Ordnung gleich verlängerten und poetisch in "Frühlingszauber" umtauften. Die Aktion war so erfolgreich, dass im Gegensatz zu anderen nordrhein-westfälischen Städten die Kriminalität in Köln in den letzten Monaten anstieg – kein Wunder, wenn man seine Bürger kriminalisiert. Und ganz sicher hat das Amt für Sicherheit und Ordnung noch weitere Ein-Euro-Jobs zu vergeben. (Das ist doch mal ne Perspektive für verhinderte Blockwarte!) Solche Aktionen sind natürlich idiotisch, denn wirklich gefährliche Kriminelle finden immer einen Schlupfwinkel, aber kurz vor den Landtagswahlen ein wenig mit Kanonen auf Spatzen zu böllern macht natürlich auch etwas her. In die gleiche Kategorie passt die Verschärfung der Straßenordnung und der neue Bußgeldkatalog des Ordnungsamtes.

Nun ist es nicht so, als ob Köln nicht noch sauberer werden könnte, doch die Frage ist, wen trifft der neue Sauberkeits- und Ordnungswahn? Mir persönlich sind in den letzten Monaten einige – vor allem ältere Menschen – aufgefallen, die in den Altglascontainern nach Pfandflaschen suchen. Ich persönlich kann mir eine angenehmere Beschäftigung vorstellen, seinen Lebensabend zu verbringen, doch ich glaube nicht, dass Menschen freiwillig im Müll wühlten, wenn sie nicht durch ihre miserable Situation dazu gezwungen wären.

 

Hubschrauber mit Wärmebildkameras

Natürlich ist diese Antwort der Behörden und der Politik mal wieder voll daneben. Es gibt wachsende Probleme in unserer Gesellschaft – man kann auch eine zunehmende Verrohung beobachten – doch das einzige, was ihnen einfällt, ist zu versuchen, die Bürger zu disziplinieren und erst mal drauf zu hauen, ganz gleich, wen es trifft, und ob es wirklich sinnvoll ist. Warum gibt es überhaupt Leute, die sich ihre schmale Rente oder Sozialhilfe mit dem Sammeln von Pfandflaschen aufbessern müssen?! Jahrelang war es die einzig sichtbare Antwort auf ein wachsendes Drogenproblem in Köln, die Kleindealer aus der Innenstadt zu vertreiben. Nach dem Motto: Wir haben ein Problem?! Kein Problem, erst mal alles zusammenkehren und unter den Teppich damit, und das war's. Und jetzt hauen sie auch noch mit dem Knüppel auf diesen Teppich drauf.

Natürlich muss die Politik diese Probleme von Grund auf angehen. Und wenn sie das nicht tut, erklärt sie gleichzeitig ihren Bankrott. Natürlich muss die Politik die Umstände dazu schaffen, die Armut in Köln zu überwinden. Sie muss den Leuten eine wirkliche Perspektive geben, nicht aber die Leute, die offensichtlich Probleme haben, mit der Rute disziplinieren. Das geht nach hinten los. Die Politik muss die Umstände dafür schaffen, dass ein neues soziales Gewebe entstehen kann, das solche Probleme auffängt. Das wird sie nicht tun, weil soziale Veränderungen immer von der gesellschaftlichen Basis ausgehen – deshalb: Warten wir nicht auf die Politik, fangen wir selbst damit an!

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Leben in der Schein-Demokratie

 

von Christian Heinrici – Juni 2005

Was Demokratie eigentlich ist…? Diese Frage stellt sich immer wieder, natürlich besonders, wenn irgendwie Wahlen ins Haus stehen. Oft ist es natürlich nur die etwas lästige oder gar verzweifelte Überlegung, wen man denn dieses Mal wieder wählen soll.
 

Klarer Fall, es ist eine politische Taktik der großen Parteien in den letzten Jahren, sich immer weiter programmatisch an einander anzunähern, "Bildungsoffensive?" - "Wir auch, aber unsere ist besser…" Dabei geht es natürlich nur um Wahlversprechen, und der Bürger kennt das schon, und viele können mittlerweile dem ganzen Theater nur noch mittleren Unterhaltungswert abzugewinnen. Die allgemeine Wahlbeteiligung spricht für sich. (So wäre es auch in NRW gewesen, wenn nicht die Parteien und die Medien im großen Stil mobil gemacht hätten.) Und wer kann es dem Bürger verdenken, wenn er frustriert, verzweifelt ist, und einfach keine Ahnung hat, wen er dieses Mal wieder wählen soll, muss er doch erwarten, dass er hinterher doch wieder beschissen wird.

Das ist natürlich nicht der böse Wähler schuld, sondern an aller erster Stelle die Parteien, die sich ganz gleich welcher Farbe seit Jahren in Regierungen auf Kosten eben dieses Wählers bereichern. Natürlich fehlt es an greifbaren Alternativen, ja, ja, die Auswahl ist groß, doch was hilft's, wenn sich das Produkt nur an der Mogel-Verpackung unterscheidet…?! Und greifbare Unterschiede in der Politik bedeuten nicht nur unterscheidbare Politiker, die sich hinterher an ihre Wahlversprechungen auch halten (oder sollte es Versprecher heißen?!), sondern es heißt eben auch mehr Verantwortung, mehr Mitspracherecht für den Bürger.

Bei der Entscheidung über die EU-Verfassung hat man's gesehen: In der Mehrzahl der EU-Staaten wurde per Volksentscheid abgestimmt, in Deutschland war nicht mal eine breitere Öffentlichkeit darüber informiert, über was dort (und auch bei uns) abgestimmt wurde. Tatsächlich verstehen so etwas heutzutage nur noch wenige. Man weiß nicht so genau, woher diese Abwehr aller real-demokratischen Ansätze in Deutschland kommt…

Nach dem 2. Weltkrieg versuchte man Bestrebungen nach direkter Demokratie mit der angeblichen "Unmündigkeit" der Bevölkerung abzuwehren, aber mittlerweile haben wir in Deutschland eine relativ etablierte parlamentarische Demokratie. Tatsächlich dürften es sich die Politiker mittlerweile auch ganz gemütlich auf ihren Sesseln gemacht haben und sehen durch alle direkt-demokratischen Elemente ihre Pfründe bedroht. Und scheinheilig bezeichnen sie weiterhin jene als "unmündig", die sie selbst über Jahrzehnte hinweg unmündig gehalten haben. Denn wer kontrolliert die Politiker eigentlich? Nur sie sich selbst in langwierigen Ausschüssen, und der Bürger alle vier Jahre mal durch Wahlen. Und damit wären wir wieder beim Grundproblem.

 

© Heinrici

Es ist klar, es ist Zeit für mehr Formen direkter, tatsächlicher Demokratie. Nur so ist den Wählern noch Interesse am politischen Geschehen zu vermitteln. Volksentscheide müssen endlich auf allen politischen Ebenen und über alle Themen ermöglicht und erleichtert werden, die Medien müssen sich den Belangen der Bürger öffnen, und die Kommunen, wo die Menschen die Probleme direkt vor Augen haben, müssen mehr Entscheidungsmacht bekommen. Die Bürgerliche Revolution in Deutschland von 1848 - ein kaum gefeiertes Ereignis - fand fünfzig Jahr nach der ersten Französischen Revolution statt, tun wir etwas dafür, dass wir diesmal nicht so lange warten müssen!

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Die veröffentlichte Meinung

von Christian Heinrici – Oktober 2005

Es ist nichts Neues, wir leben in einer Art Mediendemokratie, manchmal kann man allerdings auch den Eindruck haben, dass wir in einer Medien-Diktatur leben! Allerorten werden wir von den Medien bestrahlt - nur wann und wo finden sich die Stimmen sogenannter einfacher Leute in den Medien wieder?! Das kommt fast einer Vergewaltigung gleich.

Funk, Fernsehen, die Print- und die virtuellen Medien berichten über alles, was in der Öffentlichkeit stattfindet, und das was stattfindet, bringen sie an die Öffentlichkeit. So kann man einen gewissen (unseligen) Kreislauf beobachten: Das, was die Medien als interessant erachten, ver-öffentlichen sie, und so dringt es als etwas Bedeutendes ins Bewusstsein der Leute. Dabei berichten sie natürlich nicht nur, über das was passiert, sondern durch ihre Auswahl und ihre Wertung machen sie gleichzeitig auch Meinung.

Gefährlich wird das ganze dann, wenn sich Medien-Monopole bilden. Köln und Umgebung ist eigentlich ein ganz schönes Beispiel dafür. Aber das ist leider kein Einzelfall: Robert Murdoch zum Beispiel beherrscht mit seinem Medien-Monopol große Teile der us-amerikanischen, britischen und australischen Meinungslandschaft und machte damit letztendlich kräftig Stimmung für den Einmarsch in den Irak. In Deutschland wurde unlängst bekannt, dass die ohnehin schon übermächtige Springer-Presse mit dem Sendermonopol aus Sat 1, Pro 7, Kabel 1, und N24 fusionieren will. Natürlich hätten sie damit ein rechtslastiges Meinungsschlachtschiff vom Stapel gelassen, von dem nicht viel Gutes und nicht viel Intelligentes zu erwarten ist. Ganz klar: Monopole bedeuten immer ein weniger an Freiheit - auch die Meinungsmonopole.

Ein kluger Mensch hat einmal gesagt, dass man richtiger Weise unterscheiden muss, zwischen öffentlicher und veröffentlichter Meinung. Die veröffentliche Meinung tönt oft genug eintönig durch alle Medienkanäle. Der öffentlichen Meinung dagegen ist manchmal ganz schwer auf die Spur zu kommen, was zu Letzt auch die Umfrageergebnisse vor den Bundestagswahlen bewiesen haben, die ja dann gar nicht mit Volkes Stimme übereinstimmten. Wie konnte es das Volk nur wagen, sich in seiner Wahlentscheidung nicht nach den Umfrageinstituten zu richten?!

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Die Bürger ziehen hier nicht die Fäden..

Ganz sicher ist eine Schlussfolgerung, die man aus dem Medien- und Umfragedebakel zur Bundestagswahl ziehen kann, dass die Menschen in diesem Land nicht so blöd sind, für wie man sie verkaufen will. Das heißt, die Leute sind anscheinend dabei, sich von dem mit Lobbyisten und Interessensgruppen durchsetzten Medien-Einheitsbrei zu emanzipieren. Vielleicht ist es eben dieses Medienmonopol, gerade das Gefühl, nicht vertreten zu werden, und zwar weder in Politik noch in den Medien, das unter den Menschen den Drang nach Freiheit wachsen lässt!

Eigentlich eine sehr schöne Entwicklung, das zeugt von innerem Wachstum. Wir werden sehen, was daraus erwächst, aber wie immer. Es kommt auf uns an! Tun wir also etwas für wirkliche Meinungsvielfalt und letztendlich wirkliche Demokratie.

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Du bist... verarscht!

von Christian Heinrici – Februar 2006

Wussten Sie es schon?! - äh, Entschuldigung: Du! Du bist Deutschland! Na, so was! Erst warst du Papst (mit uns anderen Deutschen zusammen), und jetzt bist du sogar Deutschland... Gibt es denn da noch eine Steigerung?! Da bleibt dann höchstens die nächste dumm-dämliche Werbekampagne, die mit dem Slogan: "Du bist Gott!" daherkommt.

Das einzige allerdings, wie ich mich fühle, angesichts solcher angeblich "gut gemeinter" Kampagnen ist: Verarscht!

 

Wie kann man es eigentlich wagen..., nachdem man jahrelang in diesem Staat soziale Leistungen gekürzt hat, nach der Einführung von Hartz IV und Zwangsarbeit für Langzeitarbeitslose, während gleichzeitig die fetten Konzerne riesige Gewinne verbuchen, vor allem wenn sie Leute entlassen, nach der 555. Gesundheitsreform, die wieder nur mal die Pharmalobbyisten und sog. "Gesundheitskassen" bediente, nach Einführung von Studiengebühren und Eliteunis, nach einer weiter anhaltenden Lagerhaltung von Asylbewerbern und einer Abschiebepraxis in Länder, in denen ganz offensichtlich gefoltert wird, nach Forderungen, dass auf deutschen Schulhöfen nur noch deutsch gesprochen werden soll, nachdem in Köln fröhlich und auf höchsten Niveau weiter geklüngelt wird, während für wichtige Belange der Bürger immer wieder das Geld fehlt etc. etc. etc. etc. etc. etc. etc. (Entschuldigen Sie bitte die lange Aufzählung!)

…wie kann man es da wagen, solch eine dumm-dämliche, patriotisch unreflektierte Kampagne zu starten, die den Leuten suggeriert: "So, jetzt ist aber Schluss mit dem (anscheinend unberechtigten) Gejammer, jetzt müssen endlich mal wieder die Ärmel aufgekrempelt werden - wenn du nur patriotisch-positiv denkst (egal, ob dein Studienplatz futsch, dein Kühlschrank leer und deine Zukunft dunkel-schwarz anstatt rot oder gold ist...) wenn du nur positiv denkst, dann kannst du es schaffen. Ja: Du - denn Du bist Deutschland!

Das kann ja nur zynisch gemeint sein!

Aber jetzt haben wir ja wieder mal gejammert, und das ist doch ab jetzt verboten, weil es so miesepetrig ist, und im Wirtschaftsstandort schlechte Stimmung verbreitet - und wir als wichtige Wirtschafts- und Konsumfaktoren können uns doch da nicht einfach rausziehen!! Nun gut, beschränken wir uns auf die Fakten:

Naziplakat Deutschland 1935

 

Die Kampagne "Du bist Deutschland!" - übrigens ein altes Nazi-Motto - wurde tatsächlich von einer Werbeagentur und den großen Medienkonzernen Springer, Bertelsmann, der Bauer Verlagsgruppe, Gruner + Jahr, ARD, ZDF, den RTLs, den Sat-1s und vielen dicken anderen Medienkonzernen sowie dem Backriesen Kamps initiiert. Offensichtlich ging es darum, der Bundesregierung, bei ihren sozialpolitischen "Re-Formen" Schützenhilfe zu leisten.

Dabei haben eben diese Konzerne selbst die Grundlage für so manches - berechtigtes - Gejammer geschaffen: Allein der Bauer Verlag konnte im Jahre 2004 seinen Umsatz um 20 Millionen auf 1,7 Mrd. Euro steigern - und hatte daraufhin nichts besseres zu tun, als flugs knapp 400 Leute in seiner Kölner Druckerei zu entlassen. Die Großbäckerei Kamps hat sich dadurch hervorgetan, halb Europa mit ihren Ketten zu überziehen und dabei kleine und mittlere Betriebe einfach vom Backblech zu fegen. Richtig, auch für Kamps gibt es keine "Geschwindigkeitsbremse auf der Deutschlandbahn" - wie die Kampagne tönt. Und wenn man Bertelsmann heißt und als drittgrößter Medienkonzern der Welt 20 Mrd. Euro jährlich verdient, kann man leicht mal ein paar Langzeitarbeitslosen entgegenrufen, sie sollen sich nicht so anstellen und endlich mal die Ärmel hochkrempeln.

Während im Jahre 2004 das Arbeitnehmerentgelt (also unsere Löhne) um 0% gewachsen ist, konnte das Unternehmens- und Vermögenseinkommen um sage und schreibe mehr als 10% wachsen . Seit den letzten zwei Jahren produzieren wir immer mehr aber verdienen dabei immer weniger, und irgendwo muss dieses Geld doch hinfließen.

Ja, WIR sind nämlich gar nicht Deutschland - IHR seid Deutschland, ihr Bauers, Kamps und Bertelsmänner! Euch gehört ja auch ein viel größerer Teil davon!

Und ganz zum Schluss für alle Positivdenker noch ein konstruktiver Vorschlag: Mit den 35 Mio. Euro, die "Du bist Deutschland!" den Konzernen wert war, hätte man auch 22.436 Kindern ein Jahr lang einen Kinderhortplatz sponsern können.

 

Abgesehen davon ist keiner Deutschland und erst recht kein Konsumfaktor, der endlich mal (O-Ton Kampagne) "die beste Leistung bringen soll, zu der er fähig ist…", sondern sind wir in erster Linie Menschen, die sich natürlich eine bessere Zukunft schaffen können. Dabei muss man sich aber nicht in einem nationalen Großprojekt Deutschland verwirklicht fühlen. Aber, man kann sich mit all jenen, die auch in dieser Situation stecken solidarisch zusammentun, die Verursacher dieser Misere ganz klar benennen (das ist nicht ganz das gleiche, liebe Damen und Herren Medienschlaumeier, wie zu jammern), und ganz klar beweisen, dass es auch anders geht - humanistisch!

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Für die unbeobachteten Momente des Lebens...

Satirischer Kommentar

von Christian Heinrici – Oktober 2006

Haben Sie's gesehen?! Die Terroristen waren unter uns: Mitten in Köln, in Ehrenfeld! Und dort sind sie anscheinend... nun ja, ER, auch noch in die Moschee gegangen. Sie wissen schon, in die auf der Venloer Straße... Wenn ich das geahnt hätte... vielleicht bin ich dem ja schon mal begegnet, also nicht in der Moschee... aber in der Dönerbude um die Ecke zum Beispiel, oder im Supermarkt an der Fleischtheke, wie er gerade Hammelfleisch bestellen wollte. Oh, mir graut es jetzt noch...

 

 

"Artikel" in der BILD-Zeitung

Ne, ne, nicht vor dem Fleisch - vor diesen Lybiern oder Libanesen oder wie auch immer. Das waren ja richtige Terroristen. Das konnte man ja im Fernsehen sehen. Da haben die auch noch am Bahnhof in die Kameras gelächelt... was für eine Dreistigkeit!! Und nicht mal richtig Bomben bauen können die - solche die auch explodieren, meine ich... Vollkommen unfähig diese angeblichen Terroristen! Ist ja klar, dass im Ausland nix funktioniert.

Und dann haben die auch noch ihre Telefonnummern in den Koffern hinterlassen. Das war dann ja wohl klar, dass sogar der deutsche Geheimdienst die im Libanon aufspüren konnte...

Wenn ich bedenke, ich wäre so einem auf der Straße begegnet. So ein Terrorist könnte ja wirklich jeder sein: Ihr Nachbar... oder Sie... oder ich... Man kann heutzutage ja niemandem mehr trauen. Sich selbst noch am aller wenigsten.

Also, ich habe auch schon mal angefangen, mich jetzt selbst intensiver zu beobachten. Ja, ja, ich weiß, überall stehen schon Kameras herum, in der U-Bahn, am Bahnhof, in der Einkaufsstraße... auch bei mir zu Hause am Computer. Aber, wer weiß?! Vielleicht plane ich ja, in einem unbeobachteten Moment... eine Sache... Ich weiß jetzt selbst nicht was, aber da fällt mir sicher schon noch etwas ein...

Also, um ehrlich zu sein, ich fühle mich, so ganz unbeobachtet... ziemlich... ziemlich... unsicher! Was könnte ich da alles anstellen, in den unbeobachteten Momenten des Lebens?! Ich könnte ja heimlich, also ohne mein Wissen, einen Anschlag auf unsere Regierung planen - wegen Hartz IV, der dreitausendsten Gesundheitsreform oder wegen der Mehrwertsteuererhöhung...

Na, ja, vielleicht nicht gleich auf die Regierung... das ist vielleicht ne Nummer zu groß, aber sagen wir wenigstens auf den Schramma. Wegen... wegen... zum Beispiel wegen dem Klüngel mit Oppenheim und der Messe... Oder, vielleicht bin ich ja ohne mein Wissen, heimlich sozusagen, zum Islam übergetreten, und jetzt plane ich einen Anschlag auf den Kölner Dom... weil... weil... weil ich die Reden von Benedetto in Bayern ziemlich dämlich fand. Und der Meisner ist ja ohnehin ein Grund für sich...

 

Na, ja, was auch immer ich plane, Anlässe gibt es ja glücklicherweise genug! Danke schön, liebe Regierung, lieber Herr Schramma, liebe Kirche für diese... äh... steilen Vorlagen!

In diesem Sinne - bis zum nächsten Anschlag!

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Nächstes Treffen in Köln:

jeden 1. Mittwoch im Monat 19.30 Uhr

im humanistischen n.e.t.z.

Mauenheimer Str. 19 • 50733 Köln-Nippes

 

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Verantwortlich Christian Heinrici

Tel 0221 766 116

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Mit freundlichen Grüßen, der Kommentator